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30.11.2021

Bullishes Movement wird durch Aussagen von Powell und Yellen gedämpft.

Marktupdate

Zürich - 30.11.2021

Als ich auf dem Heimweg von der Arbeit auf die Märkte schaute, freute ich mich darauf, bullishe Sachen über Bitcoin zu schreiben und Ethereum pumpte Richtung ATH. Aber nein, Janet Yellen und Jerome Powell müssen vor dem Kongress über Tapering (schrittweise Erhöhung des Zinsniveaus) plaudern. Jerome Powell habe ich bereits mehrere Male erwähnt, Yellen noch nicht, daher kurz etwas über sie: Yellen war von 2014 bis 2018 unter Obama FED-Präsidentin, also die Vorgängerin von Powell. Unter Biden wurde sie Treasury Secretary, zu Deutsch Finanzministerin. Sie gilt als äusserst intelligent und war eine der ersten Befürworter der extrem expansiven Geldpolitik, welche seit 2008 praktiziert wird. Ihr wird nachgesagt, dass sie sehr hartnäckig und durchsetzungsfähig sei, was ihre Karriere untermauert. Früher wurde sie als Frau auf dem Finanzparkett nicht ernst genommen und heute hat sie die beiden höchsten finanzpolitischen Ämter der Welt bekleidet. Nun, was passiert gerade? Powell und Yellen werden vom Kongress befragt. Dies passiert immer wieder mal und seit dem Corona-Crash ist das Interesse daran wieder etwas verblasst, stieg in den letzten Monaten jedoch wieder. Die Kongressleute dürfen dabei während einer gewissen Zeit jegliche Fragen stellen. Powell gestand heute ein, dass die Inflation nicht «transitory», also nicht nur vorübergehend, sein könnte (wer hätte es gedacht?). Er unterstrich in seinen Antworten, dass die Preise stärker stiegen als angenommen und machte die Probleme in den Lieferketten dafür verantwortlich. Diese seien extrem schwer vorherzusagen gewesen. Da mag er Recht haben. Es sei ihm zudem bewusst, dass die Geldpolitik entsprechend angepasst werden müsse. Wir können also damit rechnen, dass in den nächsten Monaten in irgendeiner Form die Geldpolitik restriktiver wird. Die Aktienmärkte und Kryptowährungen sackten umgehend ab und der Dollar sprang in die Höhe. Ich habe den Grossteil der Befragung selbst mitangehört und mir fiel dabei auf, dass Yellen immer wieder davon sprach, dass der Schuldendeckel, also der maximale Wert sämtlicher Schulden des US-Staatshaushalts, angehoben werden müsse, damit die USA weiter finanziert werden kann. Für mich beissen sich diese beiden Aussagen. Einerseits möchte Yellen mehr Schulden machen, andererseits möchte Powell die Zinsen anheben, was ein gefährlicher Mix wäre: noch mehr Schulden zu höheren Zinsen könnten irgendwann einfach zu viel und zu teuer werden. Ich persönlich gehe daher weiter davon aus, dass Powell äusserst vorsichtig vorgehen wird. Eine zu schnelle Umkehr würde die US-Wirtschaft schlichtweg zum Erliegen bringen. Yellen machte auf eine andere Möglichkeit aufmerksam, nämlich die Erhöhung der Firmensteuern. So könnte Geld wieder aus der Wirtschaft «gesogen» werden und zurück zum Staat fliessen. Die Konsumenten wären nur indirekt betroffen (über Weitergabe der Steuern durch Preiserhöhungen, was allerdings kaum realisierbar wäre, da die Preise bereits sehr hoch sind) und es gäbe eine Umverteilung von reichen Firmen hin zum Staat, welcher das Geld dann wieder in Infrastruktur oder ähnliches (wie ich die USA kenne wahrscheinlich ins Militär…) stecken kann. Ich halte euch auf dem Laufenden…

Noch ein kleiner Hinweis: mir ist bewusst, dass vieles, was ich hier schreibe sehr kompliziert und mühsam zu lesen sein kann. Ich selbst bin kein Experte und es ist dementsprechend schwierig, auf den Punkt zu kommen. Aus diesem Grund arbeite ich an einem Artikel über die Zusammenhänge von Wirtschaft, Staat, Finanzmärkten, Inflation, Deflation etc. Ich hoffe, damit für etwas mehr Klarheit sorgen zu können. Stay tuned. 😉